Verein für Obstbau, Garten und Landschaft Linsenhofen e.V.
Verein für Obstbau, Garten und Landschaft Linsenhofen e.V.

Fachvortrag mit Dr. Thomas Diehl - 20.02.1015

 

Die Resonanz war riesig, denn der Saal im Gemeindehaus Linsenhofen war mit 70 Personen proppenvoll. Dr. Thomas Diehl, Pflanzenschutzbeauftragter beim Regierungspräsidium Stuttgart zeigte in seiner bekannten, fachlichen und kompetenten Art Tiere und Kleinstlebewesen, die unseren Pflanzen und Früchten allzu gerne den Garaus machen wollen. Dazu gehören seit Beginn des globalen Warenaustauschs auch zahlreiche Schadbilder die nicht typisch für unsere Breiten sind und die Fauna und Flora immer wieder zu neuen Überlebenskämpfen herausfordern. Dr. Thomas Diehl erklärte die auf ca. 11000 Invasive Schädlinge gestiegene Zahl an den Beispielen der Reblaus, Kraut- und Knollenfäule und nicht zu vergessen und hochbrisant die aus Südasien stammende Kirschessigfliege oder Drosophila suzukii.

Seit der Ernte 2014 ist diese kleine und äußerst vermehrungsfreudige Fliege auch in unseren Breiten heimisch und stellt die Fachwelt vor eine der größten Herausforderung der letzten Jahre. Denn der kleinen Fliege ist kaum ein Kraut gewachsen, außer der radikalen Methode. So gibt es kleine Ansätze, die mit Essig- und Hefefallen sehr gute Ergebnisse zeigen die Tiere abzufangen und im Cocktail zu ertränken. Das allerdings sollte im großen Stil erfolgen, die Cocktailfallen neben den betroffenen Kulturen auszubringen ist nur noch ein Tröpfchen auf den heißen Stein. Erfolg brachten die Fallen mit einem gewissen Abstand zwischen den Kulturen und den Rückzugs- bzw. Ruhegebieten, vornehmlich am Waldrand. Außerdem kann die Fliege mit Hilfe von Netzen von den Kulturen ausgesperrt werden. Dies sollte allerdings vollflächig geschehen und ist bei Hochstämmen im Streuobstbau nur bedingt möglich.

Sind die ersten Früchte bereits befallen und tritt bei leichtem Druck der typische essigstichige Safttropfen aus, dann, auch dann ist es schon zu spät. Mama Kirschessigfliege hat mittels ihres gezahnten Eiablagestachels die Fruchthaut aufgeritzt und bis zu 3 Eier pro Frucht abgelegt. Die geschlüpften kleinen Larven machen sich mit Genuss über die leckeren Früchte her, fühlen sich wie im Schlaraffenland und planen eine weitere Generation, immerhin bis zu 13 mal kann sich der Kreislauf innerhalb eines Jahres schließen. Komplett abernten und vernichten ist die einzige Chance um den Kreislauf zu unterbrechen.

Der Vortrag wurde von Dr. Thomas Diehl durch den Film „Blattläuse leben gefährlich“ ergänzt. Jeder kennt die Probleme mit Blattläusen im Obstbau und im Hausgarten, hat aber mit Sicherheit noch nie so fantastische Makro-Aufnahmen der natürlichen Feinde der Blattläuse gesehen wie in diesem eindrucksvollen und unterhaltsamen Film. Die Bedeutung von Marienkäfer, Florfliegenlarve und Schwebfliege, den natürlichen Nützlingen im Pflanzenschutz, wurde auf interessante und unterhaltsame Art verdeutlicht und plausibel gemacht.

Ein Abend, der von Dr. Thomas Diehl wunderbar gestaltet und mit fächerübergreifenden Beispielen umrahmt wurde. Ein herzliches Dankeschön an einen sehr guten Redner, kompetenten Spezialisten und mittlerweile sehr gefragten Mann. Seit der Umsetzung des neuen Pflanzenschutzgesetzes, kann er sich in seinem Amt als Pflanzenschutzbeauftragter vor Anfragen und Vorträgen kaum noch retten.

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